Nachteilsausgleich bei Achromatopsie.
Ein Nachteilsausgleich verändert nicht das Lernziel, sondern die Bedingungen, unter denen ein Kind zeigen kann, was es weiß und kann.
Was ein Nachteilsausgleich ist
Ein Nachteilsausgleich soll behinderungsbedingte Nachteile ausgleichen. Er ist keine Bevorzugung und keine automatische Absenkung fachlicher Anforderungen. Die konkrete Ausgestaltung muss zur Sehfunktion, Aufgabe und Unterrichtssituation passen.
Mögliche Maßnahmen
| Bereich | Mögliche Anpassung | Warum |
|---|---|---|
| Zeit | verlängerte Bearbeitungszeit, zusätzliche Pausen | Vergrößerung, Blickwechsel und visuelle Ermüdung kosten Zeit. |
| Material | digital, vergrößert, kontrastreich, klare Schrift | Information wird in einer nutzbaren Form bereitgestellt. |
| Farbe | Beschriftung, Muster, Symbole zusätzlich zur Farbe | Fachwissen darf nicht von Farbdiskrimination abhängen, sofern Farbe nicht selbst Lernziel ist. |
| Tafel/Präsentation | Vorabdatei, Bildschirmübertragung, Verbalisierung | Entfernung und Licht können den Zugang verhindern. |
| Arbeitsplatz | flexibler Sitzplatz, Blendung reduzieren | Fensterlicht und Reflexionen verändern die Sehfunktion. |
| Prüfungen | Hilfsmittel, geeignete Darstellung, separate Arbeitsumgebung | gleiche fachliche Leistung unter zugänglichen Bedingungen. |
| Sport/Ausflüge | Orientierungshilfe, kontrastreiche Markierung, angepasste Organisation | Teilnahme ermöglichen statt pauschaler Befreiung. |
So wird der Nachteilsausgleich konkret
- Sehfunktion und Bedarf beschreiben: Nicht nur Diagnose nennen, sondern praktische Auswirkungen.
- Maßnahmen schriftlich festhalten: Wer stellt digitale Unterlagen bereit? Welche Schriftgröße? Welche Zeitverlängerung?
- Verantwortlichkeiten klären: Lehrkräfte, Förderlehrkraft, Teilhabeassistenz, Eltern und Schulleitung.
- Regelmäßig überprüfen: Aufgaben, Räume, Technik und Selbstständigkeit verändern sich.
- Kind einbeziehen: Was hilft tatsächlich? Was stört oder macht unnötig abhängig?
Farbe als Lernziel
Manchmal ist Farbe selbst Unterrichtsgegenstand, etwa im Kunstunterricht. Dann sollte nicht einfach jede Farbanforderung gestrichen werden. Sinnvoller sind zugängliche Wege: Farbnamen, ColorADD, beschriftete Materialien, Partnerarbeit oder Bewertung nach dem tatsächlich erreichbaren Lernziel.
Diese Seite nennt typische Möglichkeiten. Ein rechtlich verbindlicher Nachteilsausgleich richtet sich nach dem jeweiligen Bundesland, Schulrecht und individuellen Bedarf.